Sucht und Kontrollverlust

Wenn Verhalten außer Kontrolle gerät

Sucht ist nicht primär ein Stoffproblem. Sie ist ein Problem abhängigen Verhaltens. Entscheidend ist nicht die Substanz oder der Gegenstand, sondern ein Muster, das die eigene Kontrolle unterläuft. Abhängiges Verhalten ist dabei nicht das eigentliche Problem, sondern ein destruktiver Lösungsversuch für ein verdecktes Problem, dessen Funktion häufig unklar bleibt.

Psychotherapeutisch relevant werden Verhaltensweisen, wenn sie trotz klar erkennbarer und teils massiver Kosten fortgesetzt werden und Leid verursachen: Glücksspiel, Pornografiekonsum, Sexualverhalten, Substanzgebrauch, exzessive Nutzung digitaler Medien, pathologischer Diebstahl oder andere Formen von Verhaltensexzess. Auch Gewalt oder andere delinquente Handlungen folgen häufig derselben Logik. Gemeinsam ist diesen Mustern nicht der Inhalt, sondern ihre Funktion: kurzfristige Entlastung bei langfristig zunehmender Zerstörung.

Dass diese Funktion benannt werden kann, bedeutet nicht, dass sie verstanden ist.

Viele Betroffene können ihr Verhalten scheinbar schlüssig erklären. Diese Erklärungen bleiben an der Oberfläche. Was fehlt, ist der Zugang zur tatsächlichen Funktion, die dieses Verhalten erfüllt. Diese Funktion ist biografisch entstanden und der bewussten Selbstdeutung meist nicht zugänglich oder stark schambesetzt. Solange sie nicht erkannt und akzeptiert wird, bleibt jede Arbeit an Substanz oder Verhalten oberflächlich.

Der Wegfall dieses Verhaltens bedeutet einen realen Verlust. Ohne funktionale Alternative ist er nicht durchhaltbar.

In vielen Fällen spielen dabei auch körperliche Regulationsmechanismen eine Rolle.

Selbsterkenntnis ist keine funktionale Alternative im technischen Sinn. Sie verändert jedoch die innere Notwendigkeit, die dieses Verhalten bisher getragen hat. Erst auf dieser Grundlage können konkrete Alternativen – etwa körperliche Aktivität, kreative Arbeit oder andere Formen realer Regulation – tragfähig werden. Reiner Verhaltensersatz ohne diese Klärung bleibt instabil.

Im Zentrum meiner psychotherapeutischen Arbeit steht daher nicht das Verhalten selbst, sondern die Logik, die es notwendig macht.

Diese Arbeit richtet sich an Menschen, die nicht länger über Substanz oder Verhalten sprechen wollen, sondern den tatsächlichen Grund klären möchten, warum sie weitermachen – und daran etwas ändern wollen.

Mehr zu meiner Arbeitsweise und dem fachlichen Hintergrund dieser Herangehensweise.